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Als Laie stellt man sich das so einfach vor mit den Deutschen Meisterschaften: hinfahren, rennen, Medaille abgreifen. In Wahrheit ist das ein äußerst komplizierter, mit zahlreichen Fallen gespickter Vorgang. Vor allem bei den dt. Langstaffel-Meisterschaften (3 x 1000m, 4 x 400m), die diesmal in Zella-Mehlis (27.08.2017) stattfanden.

Hürde 1: die Leute zusammenkratzen. Einer verletzt, einer überarbeitet, einer im Urlaub verunglückt, einer außer Form, einer mit anderen Prioritäten und und und. Am Ende finden sich dann doch vier M 40er, darunter ein Ganzneumitglied sowie ein 50-Jähriger. Bundesweit nehmen gerade vier Staffeln (LG Eder, TSG Bergedorf, Running Team Ortenau und wir) diese Hürde.

Hürde 2: gesund bleiben. Die Titelverteidiger aus Hessen liegen mit Magen-Darm flach. Schon sind es nur noch drei Staffeln.

Hürde 3: taktieren. Für die TSG ist klar: Wir laufen als Zugabe auch die 4 x 400m. Die aus Bergedorf pokern und verzichten im letzten Moment auf die 3 x 1000m. Bleiben noch zwei.

Hürde 4: Regeln kennen. Für den Zuschauer unsichtbar, ist diese Hürde höher als alle anderen zusammen. Sofern der DLV einen schlechten Tag hat. In Zella-Mehlis hat er ihn. Dauernd versagt die Zeitmessung, der Zeitplan gerät völlig durcheinander, Thema Nr. 1 aber ist die millimetergenaue Platzierung der Startnummern auf dem Rücken. Und natürlich die Übereinstimmung der Vereinstrikots bis in die letzte Farbnuance hinein. In der M 70 wird ein Team deswegen disqualifiziert. Und die Ortenauer, unseren letzten verbliebenen Gegner, ereilt das gleiche Schicksal: Staffelstab korrekt übergeben, aber einen Schritt außerhalb der Wechselzone gestartet.

Hürde 5: schnell laufen. Wird vom blutigen Laien gemeinhin als wichtigste Voraussetzung für Medaillen angesehen – aber: siehe Hürde 1-4. Davon abgesehen lieferte das TSG-Team eine absolut meisterschaftswürdige Vorstellung ab: Oliver Maier mit spektakulärer erster Runde, Marcus Imbsweiler routiniert wie immer, Florian Kienle souverän von der Spitze weg. Die 9-Minuten-Marke wurde in 8:54,51 min. deutlich geknackt. Leider war die Siegerehrung eine verdammt einsame Angelegenheit. (Übrigens haben wir die Ortenauer bei ihrem Protest gegen die Disqualifikation noch unterstützt, aber das brachte an diesem Tag gar nix. Außer dass in der zweiten Tageshälfte dann unterschiedliche Trikots kein Problem mehr waren.)

Und die Zugabe? Dass Florian Kienle eine flotte Stadionrunde laufen kann, war bekannt. Olli und Marcus gaben das Beste, was ihre Langdappergräten so hergaben, und an Position 1 lief der andere Florian, Kaiser mit Namen, der sich bei seinem ersten offiziellen TSG-Einsatz gleich mit einer Bronzemedaille belohnte. Um den Titel beharkten sich die Mittelstreckenspezialisten von Friedberg-Fauerbach und Bergedorf (mit Schlussläufer Ingo Schultz, genau: der von Edmonton 2002), die TSG folgte in 4:03,69 min. und verwies damit einmal mehr die Jungs aus der Ortenau auf Platz 4. Nach Erfurt, Bautzen und Zittau war nun also auch Zella-Mehlis für die Langdapper eine Reise wert.